Nach dem Tod von Klaus Kienle
Was wird aus den Ermittlungen und Prozessen?
Gegen Tote wird nicht ermittelt. Doch in der Betrugsaffäre um gefälschte Oldtimer sind viele Fragen ungeklärt und nicht alle Verfahren enden automatisch.
04.04.2025 Andreas Of-Allinger
Die Klassiker-Szene war von den Ermittlungen rund um gefälschte Oldtimer erschüttert. Seit den Durchsuchungen bei Kienle Automobiltechnik Ende Mai 2023 stand der weltbekannte Restaurierungsbetrieb unter dem öffentlichen Verdacht, die Fahrgestellnummern von Oldtimern gefälscht zu haben. Der Vorwurf: Betrug. Es geht um Millionen. Die Beweise sollten erdrückend gewesen sein.
Doch der Hauptverdächtige, Klaus Kienle, wurde am 1. April 2025 tot aufgefunden. Er "starb im Alter von 77 Jahren in seinem Wohnhaus in Leonberg eines natürlichen Todes", berichtet die Stuttgarter Zeitung.
Mehrere Personen am Fall Kienle beteiligt
Gegen Tote wird nicht ermittelt und sie werden auch nicht angeklagt. Strafrechtlich kann und darf Kienle nicht belangt werden. Das muss jedoch nicht heißen, dass es keinen Prozess gibt.
Denn im Fall Kienle gibt es offenbar einen Anfangsverdacht gegen weitere Personen. Auf Nachfrage erklärt die Staatsanwaltschaft: "das genannte Ermittlungsverfahren wird wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen Betrugs geführt und richtet sich gegen mehrere Personen."
Warum ein Strafverfahren wertvoll wäre
Betrug wird laut Strafgesetzbuch mit bis zu fünf Jahren Gefängnis bestraft, in besonders schweren Fällen sind bis zu zehn Jahre Freiheitsstrafe möglich. Doch die Strafe ist das eine. Für die Szene der Oldtimer-Sammler sei eine Rechtsauffassung viel wichtiger, findet Thorsten Link, der im Fall Kienle recherchiert hat und diese Recherchen in einer Dokumentation für den SWR zusammengefasst hat. Link findet: "Wenn es zu einem Strafverfahren kommt, gibt es die Chance, Begriffe zu definieren: Was ist eine Fälschung?" Auch die Rolle von Gutachtern und Auktionshäusern zu beleuchten, sei wichtig, findet der Moderator und Autor. Im Podcast mit auto motor und sport spricht Link über die Hintergründe zur Kienle-Doku.
Bisher gab es wenige öffentliche Verfahren, in denen es um den Betrug mit gefälschten Fahrgestellnummern geht. Solche Fälle wurden bisher meist diskret mit einem Vergleich in einem Zivilverfahren geklärt. Der Vorteil liegt auf der Hand: Der finanzielle Schaden wird ausgeglichen und die Beteiligten wahren nach außen ihr Gesicht.